Pfaff creative 1475 CD

Je nachdem, was Sie für eine Reparatur suchen, bitte auch weiter unten schauen.

Hier ist für die Serie creative 1467 bis 1475 ein Grundabgleich am Beispiel der 1475CD beschrieben, der nur äußerst selten zu machen ist. Er ist nur dann notwendig, wenn an der Maschine der Zahnriemen von Ober- zur Unterwelle gewechselt wurde, oder in den Ablauf des Antriebs eingegriffen wurde.

Nunja, solch ein Modell wollte ich schon immer haben. Wie ich in vorherigen Artikeln zu dieser Serie schon geschrieben habe, hatte ich 1982 eine creative 1469 neu gekauft und war lange Zeit mehr als zufrieden mit der Leistung. Dann interessierte mich der Stoffobertransport IDT und ich kaufte eine defekte 1471. Ich konnte sie reparieren und freute mich über die erweiterte Funktionalität zum Nähen von Sandkastenabdeckungen z.B. aus LKW-Planen für die Kindergärten. Aber da war doch noch ein Modell, die 1475 CD. Statt 6mm Breite kann sie Stiche bis 9mm Breite, weitere Nähprogramme, Stoffförderung in alle Richtungen, u.s.w. Dieses Modell wird allerdings gebraucht noch sehr hoch gehandelt und ich konnte mich nicht überwinden. Dann fand ich ein Angebot bei eb.. Kleinanzeigen, wo eine solche Maschine recht günstig angeboten wurde. Allerdings mit dem Hinweis, dass sie zwar funktionierte, jedoch wohl einen „Feinabgleich“ benötigen würde. Na, mal schauen, eine Woche später ist das Ding dann hier angekommen. Immerhin gut verpackt und sie hat den Transport via Hermes ohne Schäden überstanden. Zunächst mal zerlegt und inspiziert. Das Innere der Maschine war mächtig schmutzig, ölig, verharzt und verrußt. Also Kennenlernen, indem alle Kunststoffteile und die linke Seitenblende im warmen Wasserbad mit Seife geschrubbt wurden. Schon besser. Das Chassis wurde innen mit Lappen, Kunststoffreinigerlösung und vielen Wattestäbchen wieder einige Farbtöne heller. Nun ging es an die Rechnerplatine, alle Elkos wurden getauscht und die Steckverbindungen nachgelötet. Hier fiel mir auf, dass die Steckverbindung der Unterfadenüberwachung vom Gerät bröselig war. Habe die Drähte gegen einen Satz aus einer 1469 getauscht, da war der Steckverbinder noch in Ordnung. Dann wurde die Maschine wieder zusammengesetzt und mal schauen, was sie kann. Netzschalter ein…...Ui, seltsame Erscheinungen. Die Grundstellung der Nadel war eingetaucht in die Stichplatte, obwohl der Knopf dafür nicht gedrückt war. Drückte ich den Knopf, so hob sich die Nadel aus der Stichplatte, also genau umgekehrt, wie normal. Ein Stück Jeansstoff eingelegt und Zick-Zack genäht. Seltsam, von 4mm gewählter Stichbreite wurden 2mm genäht und der Stoff bewegte sich beim Nähen von links nach rechts mit. Fadenspannungen überprüft und eingestellt, keine Besserung. Auch sah der Ablauf des Nähvorgangs seltsam aus. Die Nadel kam aus der Grundeinstellung herunter, aber der Transporteur ging dabei nach oben. Sehr seltsam. Da stimmt doch was nicht beim Zusammenspiel von Oberwelle (Nadel) und Unterwelle (Transporteur). In der Bucht kaufte ich ein Service-Handbuch in .pdf für diese Maschine, gibts für 11€ und befaßte mich mit dem Abgleich der Maschine. Schnell stellte ich fest, dass spezielle Lehren notwendig sind, um den Abgleich durchzuführen. Einen Teil davon habe ich dann gebaut. Zunächst die Lehre 63-114690-09. Die braucht man, um einen Exzenter der unteren Welle gegenüber der oberen abzugleichen. Der Abstand der beiden Pins der Lehre beträgt 17mm, der obere Pin hat einen Durchmesser von 2mm, der untere 2,5mm. Habe das mit Schrauben gemacht. Dann braucht es eine Klemme für die Nadelstange (6,5mm Durchmesser) und eine 2mm starke Fühllehre. Die Klemme habe ich aus einer Vierkantmutter M8 gesägt und eine Schraube M4 seitlich eingesetzt. Die Fühllehre entstand aus einem 2mm starken Blechrest.


So, nun gings los:

-Timing des Transporteurs zur Nadel: Nadelstange ganz runter, Nadelstange mit untergelegtem 2mm-Blech festklemmen. Blech dann raus und Nadelstange die 2mm hochfahren. Nun muß sich die Lehre mit den zwei Pins in die Öffnungen des schwarzen Halters und des braunen Exzenters an der Unterwelle einstecken lassen. Klappt das nicht, so löst man die drei Schrauben des Antriebsrades der Unterwelle (da wo der Zahnriemen läuft, Schraubendreher 5,5x1mm) und dreht die Unterwelle passend, bis die Lehre sich stecken läßt. Gut klappt dies, wenn man am Zahnrad links an der Unterwelle dreht. Lehre eingesteckt, die erste der drei Schrauben angezogen. Lehre raus und die zwei weiteren Schrauben angezogen. Geschafft.


Klemme Nadelstange mit Lehre


2mm-Lehre gezogen


Öffnungen für Lehre


Lehre,2 Pins, 17mm Abstand


Lehre eingesetzt, stimmt so.



- Timing des Greifers: Das stimmt jetzt natürlich nicht mehr. Daher Nadelstange ganz runter, Nadelstange mit untergelegtem 2mm-Blech festklemmen. Blech dann raus und Nadelstange die 2mm mit dem Handrad hochfahren. Die zwei Schrauben des Greifers an der Befestigung zur Antriebswelle lösen und einstellen (Schraubendreher 4x1mm). Dabei eine Fühllehre zwischen Greiferantriebsrad und Gehäuse einlegen, dass der Greiferantrieb im Eingriff zur Unterwelle spielfrei bleibt. Es gab bei meiner Maschine einiges zu verdrehen, weil jemand dran war. Üblicherweise braucht man hier nichts einzustellen, die Werkseinstellung ist normalerweise sehr stabil gelöst.


Befestigungsschrauben Greifer


Greiferfinger zur Nadel

Nun noch die Kirsche auf die Torte mit dem Sahnehäubchen:

- Abgleich des Rechners zur Mechanik der Maschine: Dies wird am Drehencoder durchgeführt, der an der Unterwelle neben dem Antriebsrad mit dem Zahnriemen sitzt. Dafür muß man an die Maschine zwischen Rechner und oberer Mechanik ran und eingeschaltet soll sie auch noch sein. Wie machen ? Die Zuleitungen von den Baugruppen von oben sind lang genug. Die Netzzuleitung auf der anderen Seite der Rechnerplatine ist sehr kurz. Dafür habe ich mir eine Verlängerung gebaut, nachdem ich die Steckverbindung im Netz gefunden hatte. Sie heißt „Universal Mate N Lok 2-polig“ und es werden ein Stecker, eine Buchse und die vier Kontakte für so etwa 5€ inklusive Versand geliefert. Ein Stück netzspannungsfestes Kabel dazwischen und der Adapter war fertig. Die Maschine zwischen Kopf und Rechner getrennt und mit vier Klötzen passend aufgebaut. Nun konnte die Einstellung losgehen. Hier war nun etwas Improvisation notwendig, da ich eine Lehre nicht hatte und sie auch nicht nachbauen wollte. Diese Lehre mißt die Höhe des Transporteurs unter bzw. über der Stichplatte und hat drei Ablesemarken, 0,3, 0 und 0,9. Der Transporteur taucht in niedrigster Stellung also 0,3mm unter die Stichplatte, ist bei 0 bündig und bei 0,9mm höher als die Stichplatte. Legt man einen Blechwinkel auf den Transporteur, wenn er am höchsten steht, so geht zwischen Blechwinkel und Stichplatte eine Fühllehre mit 0,6mm Höhe durch. Der korrekte Wert wird mit dem Exzenter am Freiarm eingestellt. Nundenn, Programm 00 mit Vorschub 0,5mm wählen. Die Sicherungsschraube des Drehencoders (am Blechring) etwas aufdrehen, vielleicht eine Viertelumdrehung. Dann das Handrad eine ganze Umdrehung drehen. Dann langsam weiterdrehen, bis der Transporteur ganz unten ist. An dem Sechskant der Welle des Drehencoders ist auf der Stirnseite ein Schlitz sichtbar. Mit einem 5,5mm Schlüssel die Welle so in Nährichtung drehen, bis der Schlitz auf die Rückseite der Maschine zeigt. Nun die Stichweite auf 00 stellen. Nun den Sechskant des Drehencoders langsam in Nährichtung weiterdrehen und dabei den Transporteur beobachten. Bewegt er sich ein bißchen und der Motor des Transporteurs gibt einen leisen Klick, so hat man es geschafft und zieht die Schraube am Blechring des Drehencoders wieder fest. Anschließend kann man die Einstellung ja nochmals überprüfen. Wie schon beschrieben, die notwendige Lehre hatte ich nicht. Daher stimmte ich weiter ab:

-Programm 00 Taste „Nadel unten“ drücken. Zwei Stiche laufen lassen und stoppen). Nadel sollte im Stoff stecken. Taste „Nadel unten“ wieder drücken. Die Nadel sollte aus dem Stoff in die höchste Position fahren und sich dann noch etwa 3mm senken und stoppen. Nun sieht man auch den Fadenhebel in der obersten Stellung. Dieses Verhalten läßt sich mit einem feinfühligen Verdrehen des Drehencoders erreichen (Lösen der Schraube am Blechring, Sechskant festhalten, etwas am Handrad drehen, Schraube wieder anziehen, Testlauf). Die Nadel stoppt später, wenn man das Handrad in Nährichtung dreht, die Nadel stoppt früher, wenn man entgegen der Nährichtung dreht.


Der Testaufbau


Die Werkzeuge und Lehren


Verlängerung Netzzuleitung

Weitere Arbeiten waren notwendig, um die Maschine wieder in Ordnung zu bringen. Diese sind aber schon bei den Artikeln für die Modelle 1469 und 1471 beschrieben, daher hier nicht mehr. Kleiner Tipp noch zum Abschluß. Repariert man die eigene Maschine, sind die Zubehörteile im Allgemeinen original. Kauft man sich eine gebrauchte, gibts gegebenenfalls Überraschungen. Hier war es so, dass beim Probenähen und Einstellen der Maschine plötzlich der Unterfaden ausging. Das ist nicht ungewöhnlich, doch dies wird normalerweise durch das Blinken einer roten LED angezeigt. Hier nicht. Dies wird in der Kammer geprüft, in der die Spulenkapsel mit der Unterfadenspule rotiert. Ein Vergleich mit der Spulenkapsel einer funktionsfähigen Maschine zeigte, dass vom Vorbesitzer eine dafür ungeeignete Spulenkapsel verwendet wurde. Hier mal ein Foto, wer findet den Unterschied ?


Die Kapsel, die den Fehler zeigte ist die linke. Bei der rechten Kapsel sieht man an der Klappe, dass das Mittelloch größer (ovaler) und rechts daneben ein kleines Fenster ist. Hierdurch wirkt die Lichtschranke, um anzuzeigen, dass noch etwa 60cm Unterfaden verfügbar sind, wenn die Unterfadenspule zu Ende geht.

Weitere Arbeiten, die in den Artikeln zur 1469 und 1471 beschrieben sind:

Ausbau der oberen Abdeckung nach Abnehmen der linken Seitenblende ( Zerlegen der Maschine )

Überholung des Motors

Reparatur der Displayeinheit und deren Zuleitung zur Rechnerplatine

Dazu hier noch die Besonderheiten der Displayeinheit, wenn sie in grau ausgeführt ist. Der Ausbau ist der gleiche wie bei der in rot gehaltenen Version. Auch hier ist dann rückwärtig die Platine sichtbar. Links und rechts sieht man je eine Schraube. Nun gilt es aufzupassen. Unter den Schrauben liegt je eine Unterlegscheibe aus Plastik, die eine Schräge hat und in zwei Löcher eingesetzt ist. Löst man diese zwei Schrauben, auch aufpassen, denn bei den großen Tasten ist jeweils eine Feder aufgesetzt, die nicht wegspringen darf. Nun kann man den Elko 22u wechseln und gegebenenfalls die Befestigung des grünen Flachbandkabels prüfen und ausbessern. Hier noch zwei Fotos, die beim Zusammensetzen helfen sollen:


Lage der Tasten in der Displayblende


Hilft beim Zusammensetzen: Welche Taste kommt wohin.

Auswechseln der Elkos von Rechner- und Displayeinheit

Überholung des Anlassers

Testprogramm: An der 1475CD kann ein Testprogramm aufgerufen werden. Dazu drückt man die Taste „Nadel unten“ für deutsch, „langsam nähen“ für englisch und schaltet die Maschine dann ein. Zunächst werden alle Leuchtelemente angezeigt (dreimal). Dann werden durchnummeriert nacheinander alle Tasten genannt. Drückt man die entsprechende Taste, so rückt das Programm einen Schritt weiter. Am Ende wird noch der Anlasser durch einstecken und abziehen überprüft. Weiter bin ich noch nicht gekommen.

Kindersicherung: In der Betriebsanleitung ist beschrieben, dass die Maschine mit einem Code gesichert werden kann. Sollte man diesen vergessen haben, so war ein Hinweis, die Batterien mindestens 24 Stunden aus dem Fach zu entfernen, um den Code zu löschen.


Zurück